Karl der Große

Gemeinsam mit der Stadt Frankfurt am Main hat der Neue Brückenbauverein e.V. die Wiederaufstellung des Standbilds Karls des Großen auf der Alten Brücke realisiert. Neben dem Brückenkreuz war das Standbild die wohl bedeutendste Ergänzung des Brückenensembles im 19. Jahrhundert.

Mit ihm besann man sich nach Identität und Verortung suchend auf den eigentlichen Ursprung der am Main gelegenen Stadt. Da das ursprüngliche Standbild fest in die Dauerausstellung des neuen Historischen Museums eingebunden werden soll, wurde für die Alte Brücke eine originalgetreue Sandsteinfigur gefertigt, deren Kosten der Brückenbauverein mit Hilfe der führenden Frankfurter Geldinstitute und Spendern trägt.

Am  1. Oktober 2016  um 11 Uhr kehrt das Denkmal Karls des Großen auf die Alte Brücke zurück. Gemäß der historischen Situation wurde die Statue stromaufwärts auf der Alten Brücke in der Nische – in der zwischen 1967 und 2013 das Brückenkreuz stand – mit Blickrichtung nach Westen und damit in Richtung des historischen Kerns der Stadt aufgestellt. Damit wurde Frankfurt ein sichtbares Stück ihrer vergessenen Geschichte zurückgegeben und die Alte Brücke als Geburtsort der Stadt im Stadtbild wieder lebendig gemacht.

Schulwettbewerb

In Kooperation mit dem städtischen Schulamt hatte der Neue Brückenbauverein e.V. Frankfurter Schulen dazu aufgerufen, sich im Rahmen eines Wettbewerbs intensiv mit der Geschichte der Alten Brücke in Frankfurt auseinanderzusetzen.

Ziel des Wettbewerbs war es, die Alte Brücke als Keimzelle Frankfurts wieder in der öffentlichen Wahrnehmung zu stärken und zu verankern, aber auch die kindliche Begeisterung für die Geschichte der Stadt zu wecken.
Im letzten Jahr haben sich viele Kinder und Jugendliche im Alter von 3-15 Jahren zur Teilnahme am Wettbewerb motivieren lassen. Zunächst haben sie mit unserem Vorstandsmitglied und Stadthistoriker Björn Wissenbach die Alte Brücke kennengelernt und die alten Fischergewölbe besucht. Dies hat die jungen Künstler zu insgesamt mehr als hundert kreativen arbeiten inspiriert. So sind im Unterricht Lieder, Gedichte, Texte, Zeichnungen, Aquarelle, Collagen, aber auch Brückenmodelle und sogar eine Pappmachéfigur von Karl dem Großen entstanden. Eine unabhängige Jury aus Frankfurter Persönlichkeiten hat die Arbeiten gesichtet, bewertet und prämiert. Die Preisverleihung fand im feierlichen Rahmen im Tower 185 statt.

Brückenkreuz

Die Alte Brücke, in ihrer Geschichte als wichtiges Wegekreuz richtungsweisend für die Entwicklung der Stadt Frankfurt, bündelte die Pilgerströme nach Santiago de Compostela, ermöglichte den Kurfürsten sich zur Wahl der Könige und Kaiser zu versammeln und schuf die Voraussetzungen für das Messe- und Bankenwesen. Noch heute gibt die Alte Brücke der Stadt ihr unverwechselbares Gepräge. 2015 wurde die Alte Brücke saniert, die Funktionalität erneuert und das historische Erscheinungsbild wiederbelebt. In diesem Zusammenhang hat der Neue Brückenbauverein e.V. der Stadt Frankfurt angeboten, die Kosten für die Sanierung des Brückenkreuzes zu tragen, denn das Wahrzeichen, im Volksmund auch als Brickegickel bekannt, zählt bereits seit dem frühen 15. Jahrhundert zu den besonderen Wahrzeichen der Brücke. Die Alte Brücke und der Brickegickel sind untrennbar mit der Geschichte der Stadt Frankfurt verbunden. 2017 wird auch das Brückenkreuz auf die Alte Brücke zurückkehren.

Karl der Große – Roter Mainsandstein / Röttbacher Sandstein

Der Rote Mainsandstein, dessen Lagerstätten sich vom Spessart im Norden bis zum Odenwald im Westen erstrecken, hat in Frankfurt wesentlich zu einem unverwechselbaren Stadtbild beigetragen. Der Stein für das Standbild Karls des Großen wurde in einem Steinbuch in der Nähe von Röttbach im Main-Spessart Kreis gewonnen, der sich durch seine besonders feinkörnige, gleichmäßig rot eingefärbten Lage auszeichnet und sich hervorragend für die bildhauerische Bearbeitung eignet.

Karl der Große – Scan und Fräsung

Bereits im Juni 2015 erstellte die Firma „Form4 Plus“ im Auftrag des Bamberger Natursteinwerks Hermann Graser mit einem Laserscanner im sogenannten Punktierungsverfahren ein exaktes dreidimensionales Abbild der Originalstatue. Auf der Grundlage dieser mit dem 3D-Scanner gewonnen Daten wurde in Bamberg zunächst mit einer CNC-Fräsmaschine eine Grobform aus einem fünf Tonnen schweren Rohblock aus Main-Sandstein herausgefräst.

Karl der Große – Bildhauerische Bearbeitung

Der Bildhauer Andreas Artur Hoferick ist in seinem Atelier in Berlin seit etwa einem halben Jahr mit der Feinarbeit beschäftigt, um die handwerkliche Qualität des Denkmals zu gewährleisten. Der Kopf Karls des Großen wird dabei nach historischen Fotos der Jahrhundertwende gearbeitet, da die Rekonstruktion von 1986 in wesentlichen Punkten vom Original abweicht. Vorausgegangen sind dafür eine eingehende Recherche in den Archiven des Instituts für Stadtgeschichte und dem Historischen Museum der Stadt Frankfurt, sowie eine sorgfältige Studie an einem Gipsmodell.
Andreas Artur Hoferick, der grundsätzlich in historischen Techniken arbeitet, ist es gelungen ein Stück fühlbare Geschichte zu schaffen und dem Standbild Leben einzuhauchen.

Karl der Große – Krone

Vorbild der Krone ist die Reichskrone der Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches aus der Weltlichen Schatzkammer der Hofburg in Wien. Die Reichskrone war, neben dem Reichskreuz, dem Reichsschwert und der Heiligen Lanz, der wichtigste Teil der Reichskleinodien und findet sich in vielen Darstellungen Karls des Großen wieder.

Quelle: © Institut für Stadtgeschichte Frankfurt Main